Udo Ulfkotte, der rassistische Bestseller-Autor des Kopp-Verlags, verstorben

Die Zeitung „Die Welt“ berichtet ebenso wie „Spiegel Online“ dass am 13. Januar 2017 Udo Ulfkotte im Alter von 56 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben ist.

Udo Ulfkotte war „Shootingstar in der Verschwörungsszene“ (Spiegel Online) und Starautor des Kopp-Verlags. Mehrfach tauchten seine Bücher auf der Spiegel-Bestsellerliste auf. Der 1960 geborene Ulfkotte ist ein anschauliches Beispiel für einen rassistisch radikalisierten Vertreter der bürgerlichen Mitte. Er studierte in den 1980er-Jahren in Freiburg Rechtswissenschaften, war Mitglied im Planungsstab der Konrad-Adenauer-Stiftung und betreute 1986 bis 2003 als Redakteur der konservativen „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) die Themengebiete Mittlerer Osten und Geheimdienstfragen. Im Anschluss war er Dozent, u.a. für die Universität Lüneburg.

Irgendwann führte Ulfkottes Weg nach ganz rechts außen. Im Juli 2007 trat Ulfkotte in rechtspopulistische Kleinstpartei „Bürger in Wut“ ein und versuchte mit dem extrem rechten „Vlaams Belang“ am 11. September 2007 in Brüssel eine Anti-Islam-Demonstration abzuhalten. Er schrieb für rechte Blätter wie die „Junge Freiheit“ und stand diesen auch für Interviews zur Verfügung.
Zudem war er Referent für diverse rechtskonservative bis extremen rechten Gruppen wie Burschenschaften, FPÖ oder AfD und trat als Redner für PEGIDA in Dresden und weitere GIDA-Ableger auf. Trotzdem erhielt er besonders 2010 bis 2012 auch in bürgerlichen Medien immer wieder die Möglichkeit sich zu äußern. So war er etwa am 21. September 2010 Gast bei der ARD-Talkshow Maischberger. Er wurde damals häufig als Islam- oder Terrorismus-Experte eingeführt.

Seit 2008 hatte er beim Kopp-Verlag eine neue publizistische Heimat gefunden. Hier erschienen u.a. folgende Werke von Ulfkotte:
* „SOS Abendland. Die schleichende Islamisierung Europas “ (2008)
* „Vorsicht Bürgerkrieg“ (2009)
* „Kein Schwarz Kein Rot Kein Gold – Armut für alle im lustigen Migrantenstadl“ (2010)
* „Albtraum Zuwanderung. Lügen, Wortbruch, Volksverdummung“ (2011)
* „Gekaufte Journalisten. Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken“ (2014)
* „Mekka Deutschland. Die stille Islamisierung“ (2015)
* „Die Asylindustrie. Wie Politiker, Journalisten und Sozialverbände von der Flüchtlingswelle profitieren“ (2015)
* „Grenzenlos kriminell. Was uns Politik und Massenmedien über die Straftaten von Migranten verschweigen“ (2016)

Er verfasste zudem regelmäßig Internet-Artikel für den Kopp-Verlag und war Chefredakteur des Informationsdienstes „Kopp-Exklusiv“.

Inhaltlich wurde Ulfkotte im Laufe der Jahre immer vulgärrassistischer und paranoider. Kein rassistisches Gerücht war zu doof, um nicht von ihm als Bestätigung herangezogen und weiterverbreitet zu werden. So schrieb er etwa in seinem Buch „Kein Schwarz. Kein Rot. Kein Gold“: „Die Briten haben Ende 2009 einen brisanten Geheimplan aus dem Jahre 2000 veröffentlicht. Diesem zufolge wollten europäische Sozialdemokraten einen neuen »multikulturellen Menschen« züchten.“
Zusätzlich weisen seine Schriften ein stark endzeitliches Denken auf, er erwartete einen Bürgerkrieg und versuchte regelrecht diesen herbeizuschreiben.
Seine politische Agenda war klar. Unverhohlener als die meisten NPD-Kader forderte er die Deportation von Migrant*innen aus Deutschland. In Ulfkottes „Kein Schwarz. Kein Rot. Kein Gold“ heißt es: „Wir benötigen keine weiteren Sozialarbeiter zur Betreuung psychisch gestörter Migranten – wir brauchen stattdessen Rückführungsbetreuer, die diesen Migranten beim Packen der Koffer helfen und sie in den richtigen Zug Richtung Heimat setzen.“

Immerhin bewies er ungewollt manchmal etwas Humor. Einige von Ulfkottes Beiträgen waren für Menschen außerhalb seines Weltbildes nicht ohne Witz zu lesen. Etwa als er 2011 auf „Kopp Online“ das EHEC-Darmbakterium auf einen „Fäkalien-Dschihad“ zurückführte. Auch seine Beschreibungen von angeblichen Beispielen für die Kriminalität von Migrant*innen hatten manchmal etwas geradezu Fantastisches. So schrieb er etwa 2012 auf „Kopp online“: „Unsere Medien verschweigen uns auch, dass in einer Stadt wie London Osteuropäer ein Viertel aller Straftaten verüben. Ein Beispiel von vielen: Ein Osteuropäer hat versucht, einer lebenden Britin mit seinen Händen das Herz aus dem Körper zu reißen, nachdem er sie zuvor einfach so mit seinem Messer angegriffen hat.“
Welche*r Indiana-Jones-Fan wird sich hier nicht an die Szene in „Tempel des Todes“ erinnert fühlen, in der der Hohenpriester seinem Opfer das Herz herausreißt?

Ulfkottes geifernder Rassismus, sein blanker und unverhüllter Hass auf ‚die Anderen‘ nahm zuletzt fast schon pathologische Züge an. Bevorzugtes Ziel seiner Verbalattacken waren Muslime, aber auch Migrant*innen allgemein, Sinti und Roma und andere Minderheiten hatte er im Zielfernrohr seines Schreibgeschützes.
Noch am 11. Januar 2017 twitterte Ulfkotte „Gesichter unserer Kinder zerschneiden ist offenbar der neueste Trend unserer Mitbürger“.

Nun ist der Bürgerkriegsprophet Ulfkotte ganz profan einem Herzinfarkt erlegen. Mit ihm verliert die Welt einen Hassprediger und der Kopp-Verlag einen einträglichen Vielfachbuchautor.

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